Ich wache auf und im Ruhezustand sind tatsächlich keine Schmerzen zu spüren. Also abreisefertig gemacht und ein kräftiges Frühstück genommen. Bereits nach den ersten Metern werden meine Hoffnungen zerstört, die Schmerzen sind sofort wieder da... Allerdings habe ich mir mit der Voltaren Salbe noch einen neuen Verband gemacht und auch schon die erste Pille eingeworfen. Langsam kommen mir zum ersten Mal die Gedanken, wie lange ich wohl zu Hause so humpeln müsste, bevor ich zum Arzt "fahren" würde... Aber es gibt keine Alternative. Wir sind in den Bergen, es gibt Yaks, wenig Menschen und schon gar keinen Arzt. Also weiterlaufen.

Während dieses Tages entwickle ich eine neue Technik beim Laufen. Ich stelle fest, dass die Schmerzen nur abwärts und beim Laufen in der Ebene auftreten. Geht es bergauf, kann ich mich fast normal bewegen. Wenn es abwärts geht, stelle ich den linken Fuss quer, abwechselnd nach aussen oder innen. Sieht etwas dämlich aus, wie meine Mitreisenden feststellen, aber es hilft... Vor der Mittagspause (Bamboo Lodge) habe ich meinen neuen Rhythmus gefunden, ich setze mich einfach mal frech an die Spitze der Gruppe. :-) Trotzdem möchte ich von nun an nur noch ankommen, ich habe immer noch die Geschichte von Kedar im Kopf, als er eine Neuseeländerin tragen musste, als diese sich den Fuss verletzt hatte. Das wäre nun das Letzte, was mir noch gefehlt hätte.... Ich starte sowohl nach der Mittagspause als auch nach dem letzten "Coke" Stop vor den anderen, um etwas Zeit rauszuholen. Ich kann es fast nicht glauben, aber ich scheine mich tatsächlich mit meiner neuen Art des Gehens arrangiert zu haben. Entweder wird es tatsächlich besser oder es sind die Tabletten, die ich immer mal einwerfe.

Vom letzten Zwischenstop geht es nochmal komplett runter an den Fluss, damit wir nach der Überquerung der Hängebrücke wieder nach oben dürfen. :-( Ich schaffe es tatsächlich als erster an der Lodge anzukommen.

Wir werden schon erwartet. Bereits als ich als versprengter Vortrupp in die Nähe des Ortes komme, versuchen alle Lodgebesitzer oder Betreiber mich in deren Unterkünfte zu lotsen, aber wir sind schon avisiert in der Lodge wo wir vor knapp einer Woche schon Quartier genommen hatten. Beim Duschen stelle ich einen schönen, blauen Nagel am grossen Zeh des rechten Fusses fest. Offensichtlich hat dazu allein die Kraftverlagerung auf das rechte Bein beim Laufen gereicht. Mittlerweile geht es auch Sebastian nicht so gut, er hat Probleme mit dem Magen. Bis heute Abend steht noch nicht fest, wer morgen mit auf die zweite Höhenetappe nach Gosainkund gehen wird. Ich werde mich morgen nach dem "Frühsport" entscheiden...
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