
"Heute habe ich mich selbst besiegt ! Und ich habe NICHT verloren !" Aber der Reihe nach...Ich hatte am Vorabend noch entschieden, auf den Porter (vorerst) zu verzichten. Zwei aus der Gruppe ordern jeweils einen für die kommenden zwei Tage. Mein Vorschlag, das Frühstück bereits am Abend zu bestellen, damit wir morgens eine Stunde eher loskommen wurde positiv aufgenommen. So steht heute um 07:00 alles fertig auf dem Tisch und wir sind tatsächlich bereits um 08:10 auf dem Weg weiter nach oben... Ich habe beschlossen, das Frühstück nunmehr etwas kräftiger ausfallen zu lassen, bereits heute macht es sich bezahlt. Der Vollständigkeit halber, Kedar nimmt wieder meinen Schlafsack, sowie die Sandalen und Mokkasins noch dazu. In Abhängigkeit davon, ob die Wasserflaschen voll oder leer sind, habe ich inzwischen "nur" noch 8 oder 9,5 kg gefühltes Gewicht auf dem Rücken.

Die erste Etappe lässt sich gut an, ich habe das Gefühl, die 2 Tage warmlaufen haben etwas gebracht... Endlich kann ich auch die Landschaft um mich herum anfangen zu geniessen. Nach ca. 1 Stunde stehen wir vor unserer ersten 7.000 er Kulisse. In einem super Licht erhebt sich der Langtang Lirung majestätisch vor uns. Einfach sensationell ! Wir laufen weiter und ich habe das Gefühl, mein Körper hätte sich in einem Tag verwandelt. ;-) Ich habe zwar freiwillig die "rote Laterne" übernommen, aber mehr als 10-20 min musste heute niemand warten. Zum Mittag merkte ich, dass es gut war etwas mehr zu frühstücken, ich hatte nämlich bereits wieder Hunger...

Wir passieren einen Kontrollpunkt des Parks und auch die Landschaft hat weiterhin einiges an Abwechslung zu bieten. Schon von weitem können wir die Siedlung von Langtang sehen, auch wenn es noch einige Zeit dauert, bis wir gegen 15 Uhr schliesslich ankommen. Ich habe es geschafft ! Unter Abzug von 1,5 Stunden für Pausen finde ich 5,5 Stunden für 12-14 km und 1000 zu überwindende Höhenmeter ganz angemessen. Wenn es heute funktioniert hat, sollte es auch den Rest des Treks ohne Porter klappen... Danke an Kedar nochmal !

Nachtrag zu diesem Tag nach Schliessung des Tagebuches: Wir haben auch zwei US-Amerikaner in der Lodge. Unser Abendessen gibte es besonders früh, gegen halb sieben. Nach dem Essen gönnen wir uns noch ein paar Runden Mau-Mau, im übrigen nach einer speziellen Spielart von Sebastian, das war total witzig... Es ist gegen halb acht (!) Der eine Ami kommt in den Raum, wo der Ofen steht und in dem sich neben dem Essen auch der Rest des Lebens abspielt, und fragt ob wir nicht etwas leiser sein könnten ? Sein Freund wolle (müsse) schlafen. Wir versprechen etwas leiser zu spielen und auch den Geräuschpegel zu senken. Plötzlich fällt der Strom aus, wir spielen bei Kerzenlicht weiter. Ziemlich genau um 21 Uhr erscheint unser "Freund" erneut und will die Lodge wechseln, weil die bösen Deutschen gar nicht schlafen gehen wollen und immer noch zu laut Karten spielen. Kedar empfiehlt dann die Runde zu beenden. Ich kann mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass dies wohl tatsächlich besser sei, bevor hier noch ein Flugzeugträger auftaucht und Präsident Bush Nuklearwaffen zünden lässt ;-)